Diese Rams - ein Zwischenfazit nach Week 6

Diese verdammten Rams

Das Schlimmste an diesen Rams ist, dass ich ihnen immer noch zutraue, nächste Woche richtig guten Football zu spielen.

Nach Denver. Nach Buffalo. Nach diesem Spiel gegen Arizona. Ich schaue auf unsere 2:4-Bilanz, auf die Verletztenliste, auf die nächste völlig unnötige Strafe – und ein Teil von mir denkt trotzdem: Wenn wir es jetzt endlich einmal zusammenbekommen…

Dieser verdammte Halbsatz begleitet uns inzwischen durch die Saison.

Und langsam bin ich ihn leid.

Weil wir die guten Phasen gesehen haben. Weil wir wissen, wie Stafford diese Offense bewegen kann. Weil Philadelphia gezeigt hat, was unsere Defense leisten kann. Weil wir gegen Buffalo ein Spiel hätten gewinnen können, nach dem man wieder mit einer gewissen Überzeugung über die Möglichkeiten dieser Mannschaft gesprochen hätte.

Stattdessen erklären wir hinterher schon wieder, weshalb es trotz allem nicht gereicht hat. Als Rams-Fan entwickelt man gerade eine bemerkenswerte Fachkompetenz im Begründen von Niederlagen. Ich würde diese gern gegen ein paar Siege eintauschen.

Wir haben uns diesen Anspruch selbst ausgesucht

Natürlich waren die Erwartungen hoch. Meine auch. Wer sich diesen Kader anschaut, wer Stafford unter McVay sieht und weiß, was Puka Nacua einem Spiel geben kann, denkt an eine Saison, die bis weit in den Januar hinein interessant bleibt. Dazu der Super Bowl im eigenen Stadion. Man musste sich den schönen Teil dieser Geschichte im Sommer wirklich nicht mühsam ausdenken.

Vielleicht haben wir uns dabei zu sehr auf die Namen verlassen. Auf die Vorstellung, dass all diese Qualität irgendwann zwangsläufig auch zusammen funktionieren muss.

Nach sechs Spielen sollte klar sein, wie viel Arbeit zwischen einem beeindruckenden Roster und einer guten Mannschaft liegt.

Von einem Team mit unseren Ambitionen erwarte ich, dass es lernt, mit einer Führung umzugehen. Dass es sich nach einem Fehler wieder sortiert. Dass ein guter offensiver Drive nicht regelmäßig die nächste Gelegenheit vorbereitet, uns auf andere Weise wehzutun.

In Denver hatten wir das Spiel in einer Position, aus der eine Mannschaft mit diesen Zielen mehr machen muss. Gegen Buffalo bekamen wir in der Overtime den Ball zurück und damit die Chance, das Ding zu beenden. Gegen Arizona gingen wir kurz vor Schluss in Führung und schafften es trotzdem noch, dem Gegner den Weg zum entscheidenden Field Goal erheblich zu erleichtern.

Diese Spiele tun weh, weil ich hinterher so genau benennen kann, wo wir uns den Sieg selbst schwerer gemacht haben.

Deshalb überzeugt mich der Verweis auf die knappen Ergebnisse nur begrenzt. Ich sehe darin durchaus Qualität. Ich sehe allerdings auch, wie oft uns genau die Dinge fehlen, die aus einem knappen Spiel einen Sieg machen.

Und ich möchte langsam aufhören, den entscheidenden Fehler jeder Woche als bedauerlichen Einzelfall zu behandeln.

Ich will einen Plan für die Rams, die gerade da sind

Die Verletzungen machen mich inzwischen genauso ratlos wie wütend. Adams fällt lange aus, Ford ist für die Saison weg, Turner fehlt ebenfalls. Bei anderen warten wir weiter auf die Rückkehr oder darauf, ob sie überhaupt spielen können. Mit jeder neuen Meldung wird es schwieriger, sich vorzustellen, wie diese Mannschaft einmal ein paar Wochen am Stück zusammenfinden soll.

Das ist echtes Pech. Gerade Grupes Verletzung nach dem Wechsel nach Los Angeles ist für ihn persönlich unglaublich bitter.

Nur hilft uns im nächsten Spiel keine Vorstellung davon, wie gut wir mit allen fitten Spielern wären. Wir müssen mit der Mannschaft gewinnen, die tatsächlich aufs Feld gehen kann. Dafür brauche ich von diesem Coaching Staff jetzt einen Plan, den man auch erkennt.

Offensiv beginnt das für mich bei Puka. Ohne Adams dürfte jeder Defensive Coordinator noch genauer wissen, wo Stafford im Zweifel hinschauen möchte. Ich will sehen, wie McVay ihm trotzdem Raum verschafft: durch Motion, durch wechselnde Positionen, durch eng gruppierte Receiver, die ihm den Verteidiger beim Start seiner Route vom Leib halten. Puka muss so eingesetzt werden, dass sein Talent möglichst oft unter günstigen Bedingungen entscheidet.

Dazu brauchen wir echte Beiträge der anderen. Unsere Tight Ends und Running Backs müssen als Anspielstationen zuverlässig in den Ablauf eingebunden sein. Gerade gegen zusätzlichen Druck muss Stafford wissen, welche Antwort schnell verfügbar ist und wer dafür sorgt, dass der Ball dort auch ankommen kann.

Mich hat gegen Arizona beschäftigt, wie schwer wir über weite Strecken in einen Rhythmus gekommen sind. Der letzte Drive war gut. Er macht mich im Rückblick aber auch ungeduldig: So viel kann diese Offense also noch leisten. Wie bekommen wir mehr davon in die Phasen eines Spiels, in denen uns ein einziger Fehler anschließend nicht sofort alles kostet?

Stafford gehört dabei selbstverständlich mit in die Verantwortung. Seine frühen Turnover haben uns wehgetan. Ich mag ihn viel zu sehr als Quarterback, um so zu tun, als wäre jede schlechte Entscheidung automatisch die Schuld aller anderen. Seine letzten beiden Auftritte geben mir allerdings wieder mehr Vertrauen. Darauf muss sich jetzt aufbauen lassen.

Kyren und Corum können dabei helfen. Ein funktionierendes Laufspiel und schnelle, klar vorbereitete Passoptionen würden uns mehr Situationen verschaffen, in denen die Defense reagieren muss. Ich will häufiger sehen, dass wir den nächsten Spielzug vorbereiten, statt uns mit einem schwierigen Third Down schon wieder auf Staffords außergewöhnliche Magie zu verlassen.

Auf der anderen Seite des Balls gilt für mich derselbe Gedanke: Shula muss mit den verfügbaren Spielern eine Defense formen, deren Aufgaben zusammenpassen.

Gegen Buffalo hat man gesehen, wie wenig ein zunächst guter Pass Rush am Ende wert sein kann, wenn Allen den freien Laufweg findet. Gegen solche Quarterbacks gehört Geduld zur Aggressivität. Manchmal hilft der kontrollierte Weg zum Quarterback der gesamten Defense deutlich mehr als der schnellste Weg, der kann nämlich auch am Ziel vorbei bzw. übers Ziel hinaus führen.

Auch nach dem Catch müssen wir verlässlicher werden. Gute Coverages verlieren ihren Wert ziemlich schnell, wenn der erste erreichbare Tackle anschließend als missed tackle in die Statistik eingeht. Wie bei unseren Spielen, müssen wir auch hier den Sack einfach mal zumachen und einen Spielzug finishen.

Mit Ford und Turner fehlen uns nun wichtige Kräfte innen. Das dürfte zusätzliche Hilfe gegen den Lauf erfordern. Jede Hilfe gegen den Lauf verändert irgendwo anders die verfügbaren Räume. Genau diese Rechnung interessiert mich für die nächsten Wochen. Wie unterstützt Shula die Front, ohne dem Gegner dahinter zu viel anzubieten? Darauf brauchen wir Antworten, die zu unserem Personal passen.

Ein bisschen Verlässlichkeit würde mir gerade völlig reichen

Bei den Special Teams sind meine Ansprüche inzwischen erstaunlich bescheiden geworden.

Ich hätte gern einen Field-Goal-Versuch, bei dem ich mich hauptsächlich mit der Distanz beschäftige. Einen Kickoff, nach dem der Gegner ungefähr dort steht, wo wir ihn haben wollten. Diesen beruhigend unspektakulären Football, den man nach dem Spiel kaum erwähnt, weil er seinen Zweck erfüllt hat.

Stattdessen ist selbst „Wir holen uns wenigstens drei Punkte“ bei uns gerade eine ziemlich weit reichende Absichtserklärung.

Natürlich fällt der Blick zuerst auf den Kicker. Nach Buffalo war klar, dass etwas passieren würde. Aber wenn ein Kick geblockt wird und wir dem Gegner schon beim Opening Kickoff so viel Feld überlassen, muss die Aufarbeitung die ganze Unit erreichen. Der nächste Kicker braucht funktionierende Abläufe vor sich. Sonst wechseln wir einen Namen und behalten das ungute Gefühl.

Und dann noch: Disziplin

Ein False Start, der aus einem machbaren vierten Versuch eine wesentlich schwierigere Aufgabe macht, kostet in einem engen Spiel meist mehr als nur ein Turnover on downs. Ein unnötiges Personal Foul kann aus einem guten gegnerischen Play bereits den Weg für den Gamewinner machen.

Ich finde, wir reden bei solchen Szenen manchmal zu schnell von Kleinigkeiten. Ihre Auswirkungen sind verdammt groß.

Dass wir mit Alaric Jackson unseren Left Tackle nach einem Schlag gegen einen Gegenspieler auch noch selbst aus der nächsten Partie nehmen, passt leider in dieses Bild. Ich verstehe Frust. Wir haben gerade alle reichlich davon. Auf dem Feld und nach dem Abpfiff muss trotzdem genug Selbstkontrolle übrig bleiben, um die Lage der Mannschaft nicht zusätzlich zu verschlechtern.

Gerade weil uns die Verletzungen so viel nehmen, müssen wir sorgfältiger mit dem umgehen, was wir selbst beeinflussen können.

Wir brauchen jetzt ganz dringend eine Antwort.

Ich schreibe diese Saison noch lange nicht ab.

Dafür habe ich genug gute Ansätze gesehen. Philadelphia bleibt für mich ein echtes Argument. Auch gegen Buffalo war die Hoffnung auf einen Sieg bis zum Schluss begründet. Stafford kann uns weiterhin Spiele gewinnen, und in dieser Mannschaft steckt genügend Qualität für eine Wende.

Aber mein Vertrauen hängt inzwischen stärker daran, was sich von Woche zu Woche verbessert.

Ich will gegen Las Vegas erkennen, dass die vergangenen Niederlagen etwas verändert haben. Dass wir auf bekannte Probleme vorbereitet sind. Dass wir nach einem Fehler wieder vernünftig Football spielen. Dass wir eine gute Ausgangslage einmal konsequent nutzen.

Die nächsten Wochen bis zur Bye Week müssen dem Team und den Fans wieder eine Richtung geben. Wir können uns kaum darauf verlassen, dass irgendwann alle zurückkommen und dann automatisch alles funktioniert. Bis dahin werden schließlich weiter Spiele ausgetragen. Und die Konkurrenz sammelt währenddessen Siege.

Für mich heißt das, dass wir lernen müssen, auch in dieser Besetzung verlässlich genug zu sein. Ein Spiel gewinnen, in dem offensiv nicht alles läuft. Einen knappen Vorsprung tatsächlich nach Hause bringen. Den Gegner für seinen Sieg über das ganze Feld arbeiten lassen.

Ich hätte gerade überhaupt nichts gegen einen ziemlich hässlichen Sieg, nach dem wir über die Fehler reden und trotzdem zufrieden schlafen gehen können. Der würde sich nach diesen Wochen beinahe luxuriös anfühlen.

Was mich an dieser Saison so frustriert, ist, wie viel wir uns bereits selbst genommen haben. Und fast noch frustrierender finde ich, wie teuer das jetzt werden könnte, während die Verletztenliste wächst.

Ich glaube weiterhin an diese Mannschaft. Genau deshalb ärgere ich mich so über sie. Und genau deshalb werde ich gegen Las Vegas wieder hoffen, dass wir es diesmal zusammenbekommen.

Da ist er wieder, dieser Halbsatz.
Da ist es wieder, dieses Gefühl.

Diese verdammten Rams.

Horns up